Spermien sind kein Menschen

Eier sind teurer als Spermien, diese biologische Tatsache benutzen manche gerne als Begründung für gesellschaftliche Zustände, oder gar als Argument dafür dass man nur 10% der Männer bräuchte. Letzteres kommt gerne von Feministinnen.

Das nervt mich schon lange. Ein Beitrag bei Alles Evolution zum Thema war der Anstoß zu diesem Artikel (zur Sicherheit: Christian schreibt das nicht).

Meiner Ansicht nach kann man beides nur gleichsetzen, weil man die Tatsache aus mehreren Richtungen mit dem Mikroskop betrachtet, und dann behauptet dass die Fenster- und Teleskopsicht genauso ausschaut.

Mikroskope. Teleskope. Fenster!

Zur Erklärung von Mikro-, Fenster- und Teleskopsicht, kleiner Ausflug in die Physik: Im 19. Jahrhundert dachte die Physik dass alle drei Sichten gleich erklärt werden könnten. Das ging aus von der Fenstersicht der Newtonschen Mechanik, einfach gesagt, alles funktioniert wie Billardkugeln.

Anfang des 20. Jahrhundert klappte es aber nicht mehr, die Abweichungen beim Blick durchs Mikroskop oder Teleskop mit Ausnahmen oder Störungen zu erklären. In der Folge entstanden drei unterschiedliche Erklärungen für die drei Sichten, die bis heute nicht wieder komplett vereint wurden.

Es gibt durchaus Einflüsse der Sichten aufeinander: Unsere Smart Phones wären zum Beispiel nicht möglich, wenn die Mikrosicht in Herstellung und Betrieb außer acht gelassen würde. Meistens kann die Mikrosicht für die Fenstersicht des Alltags aber vernachlässigt werden – unter anderem weil wir unsere Umwelt so gestaltet haben, dass sie dem normalen Ursache-Wirkungsdenken der Fenstersicht entspricht.

Eine weitere Folge war, dass Physiker lange Zeit Demut übten, anstatt großmäulige Behauptungen über die Allgemeingültigkeit ihrer Hypothesen in die Welt zu setzen.

Moral von der Geschicht‘: trau nicht Deiner Mikrosicht!

Die „Eier sind teurer als Sperma“ Schlußfolgerungen leiden aus drei Blickrichtungen am Mikroskopfehler: Bei der Zeit, bei den Beteiligten, und bei der Evolution an sich.

Zeit und Kosten

Die erste falsche Mikroskopsicht kommt von der Beschränkung auf die Befruchtung, oder auch die Schwangerschaft. Sicher hat eine Frau mehr Aufwand für eine Eizelle und für die Schwangerschaft. Allerdings kann sie den Aufwand der Schwangerschaft nicht alleine stemmen, dazu ist sie in den späten Monaten der Schwangerschaft nicht in der Lage. Zudem ist Fortpflanzung erst dann erfolgreich, wenn der Nachwuchs mindestens die Geschlechtsreife erreicht hat, im Endeffekt sogar erst wenn der Nachwuchs sich selber fortpflanzt. Während der ganzen Zeit, von der Befruchtung bis zur Fortpflanzung des Nachwuchses, braucht es Unterstützung durch den Mann (oder einen Ersatz). Was nutzt das billige Spermium, wenn die Frau, das Kind oder beide sterben?

Beteiligte

Die zweite falsche Mikroskopsicht betrifft die Beteiligten. Die Idee vom billigen Spermium funktioniert, solange nur wenige Männer (und Frauen) beteiligt sind, die Geschlechter aber im Gesamten 50 zu 50 verteilt sind. Die Idee hört spätestens dann auf zu funktionieren, wenn es insgesamt nur wenige Männer und viele Frauen gibt. Dann kann mann nämlich die Kosten über die Zeit nicht mehr wie ein Parasit von anderen Männern zahlen lassen: Ein Stamm von einem Mann und neun Frauen wird eher aussterben als einer von fünf Männern und fünf Frauen. Das sollte spätestens dann klar sein, wenn man sich vorstellt dass alle neun Frauen gleichzeitig schwanger sind – von äußeren Bedrohungen durch Menschen oder Naturgewalten ganz zu schweigen.

Auf schlau: Die Laborhypothese scheitert an der Realität, da dort die Randbedingung keine Konstante ist.

Evolution

Schließlich gibt es einen ganz simplen Mikroskopsichtfehler: Nach der Evolutionstheorie überleben die Stärkeren (engl: fittest), selbst kleine Unterschiede setzen sich auf Dauer durch. In der Mikroskopsicht heißt das, der Unterschied zwischen Sperma- und Eierkosten muß ein Vorteil sein, sonst wäre er nicht entstanden. Aber daraus etwas für die Teleskopsicht zu schließen ist (ohne Belege) falsch, da gibt es keine Spermien oder Eier. Was es gibt, ist eine ungefähr gleiche Zahl von Männern und Frauen, wie allgemein bei Säugetieren. Nach der Evolutionstheorie ist das die beste Überlebensstrategie, sonst wäre es nicht so. Warum sollte die Evolution unnötige neun von zehn Männchen verschwenden? Hier schließt sich der Kreis zu Christians Artikel:

Wenn man zwei Arten von Hersteller hätte, die nur zusammen ein Produkt herstellen können, aus zwei Komponenten, und der eine (A) kann die eigene Komponente in 9 Monaten herstellen, der andere (B) aber die andere Komponente an einem Tag, der Gewinn müsste aber immer 50% zu 50% geteilt werden…

Halt: das gibt es nicht. In diesem Fall würde der Gewinn nicht halbe-halbe aufgeteilt. Selbst wenn eine solche Ausgangssituation erzwungen würde, gäbe es innerhalb sehr kurzer Zeit nur noch ganz wenige Hersteller (aber kein Monopol) für B, und diese würden nicht 50% des effektiven Gewinns erhalten. Und schwupps, haben wir einen „Beweis“ dafür, dass 90% der Männer überflüssig sind…

Nein, umgekehrt wird ein Schuh draus: Weil das Verhältnis von Männern und Frauen rund halbe:halbe ist, müssen die Kosten im Gesamtbild auch ungefähr gleich verteilt sein.

Es wäre schön, wenn in Zukunft Milliardenmordphantasien nicht mehr mit „Biologie!“ entschuldigt würden.

Was wäre wenn?

Aber drehen wir das Ganze mal um und schauen durch das Teleskop – wäre es denn möglich eine Gesellschaft mit einem Verhältnis von einem Mann zu neun Frauen überlebensfähig zu machen?

Mal angenommen, Frauen könnten alles genauso gut wie Männer (nebenbei: das ist umstritten). Dann könnte man die ganzen Stellen für Männer auch mit Frauen ersetzen, sie würden sie genauso gut ausfüllen. Die Realität sieht aber anders aus: Frauen haben keinen Bock auf viele Männerberufe, und sie leisten, auf das gesamte Arbeitsleben gesehen, viel weniger (siehe Ärzte, Tierärzte, usw.).

Ich kann mir zwei Szenarien vorstellen um das zu umgehen:

Roboter und künstliche Intelligenz

Eine Gesellschaft mit einem Geschlechterverhältnis von einem Mann auf neun Frauen kann nur funktionieren, wenn die Technik so weit fortentwickelt ist dass sie sich selbst erhält, und die Menschen mit. In der SF findet man in der „Kultur“ von Ian Banks (Bedenke Phlebas) eine Utopie, in der das möglich wäre. Allerdings ist das aus Sicht der Evolution ziemlich unwahrscheinlich: Eher stelle ich mir das SF-Szenario vor, dass die Maschinen übernehmen, und sich vielleicht noch einige Menschen im Zoo halten. Mit anderen Worten: Die Evolution hätte den Menschen abgelöst.

Gentechnik

Wenn Frauen im Allgemeinen keine Lust auf Technik haben, vielleicht gibt es ja ein Technikgen, das unabhängig vom Y-Chromosom des Mannes ist? Ausgebuffte Genforscher könnten darüber Frauen dazu bringen, unsere technische Umwelt weiter am Laufen zu halten, ohne uns der Gefahr durch Killerroboter auszusetzen. Aber auch hier stellt sich die Frage, warum es bei dieser beschränkten Änderung blieben sollte. Warum nicht gleich die Geschlechter komplett auflösen, indem man zum Beispiel ein Wesen mit beiden Geschlechtsorganen erschafft, das sich zur Not selbst befruchten kann? Das hat dann aber mit Menschen nur noch wenig zu tun – mit anderen Worten: Die Evolution hätte den Menschen abgelöst.

 

Was wäre ein Maskublogeintrag ohne Gegenkultur? Diesmal Tekkkno Dr. Z-Vago – The Sperm, der Titel sagt alles:

 

Tagesschau hilft: Gender Pay Gap ist Fake News

Jeder der sich auch nur kurz mit dem „Gender Pay Gap“ beschäftigt hat weiß, dass es sich dabei fast nur um Falschnachrichten  (engl: Fake News) handelt.

Wer sich zudem ein wenig mit Statistik auskennt, wird sich schon mal darüber gewundert haben, warum das statistische Bundesamt eigentlich nur den Durchschnitt des Gehaltsunterschieds veröffentlicht, und nicht nur den Mittenwert (auf schlau: Median), oder beides, wie das unter Statistikern gerne gemacht wird.

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Gender Pay Gap: Wie man Wissenschaftler angreifen kann die eigentlich auf der eigenen Seite sind

Dies ist eine Antwort auf den Artikel Wie man die Benachteiligung von Frauen kleinrechnen kann, oder: Die Unstatistik als Unstatistik von Patrick Schreiner, u.a. Gewerkschaftler, die viel zu lang für die dortige Kommentargrenze von 1500 Zeichen geworden ist.

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